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Beinwell und Saturn

Beinwell und Saturn

Artikel von Anita Conrad

Gehen wir nach den alten Kräuterkundigen wie Culpeper und Paracelsus, so ist mit Saturn die Reihe der Heilpflanzen und ihrer Planeten zuende. Zu ihrer Zeit kannte man nur sieben Planeten, denen man die einzelnen Pflanzen zuordnete. Schauen wir uns noch einmal die Signaturenlehre des Paracelsus an. Für Paracelsus ist der Mensch ein eigenes Firmament, das analog zu den Gestirnen betrachtet wird. Der Mikrokosmos Mensch ist also ein Spiegelbild des Makrokosmos und nach den gleichen Gesetzen aufgebaut. Gemäß seiner Zeit, er lebte von 1493 bis 1541, sind die sieben Planeten Sonne bis Saturn den sieben Hauptorganen im Organismus zugeordnet.
Wie wir gesehen haben gleicht das Herz der Sonne, der Mond gehört zum Gehirn, der Merkur wird der Lunge zugeordnet, die Nieren verkörpern die Venus, die Galle gehört zum Mars, Jupiter zur Leber und Saturn hat den gleichen Lauf wie die Milz.
Paracelsus stellte sich vor, dass die Organe im Körper auf ihren eigenen Bahnen kreisen, analog den Planeten am Himmel. Jedes Planetenorgan hat eine leibliche und eine geistige Aufgabe. Wenn ein Planet die Bahn eines anderen kreuzt, beeinflusst ein Organ die Funktion eines anderen und es kommt zur Krankheit, die entweder als Mangel oder als Übermaß einer Planetenkraft anzusehen ist. Weiß man um diese Vorstellung, so versteht man auch den Ausspruch des Paracelsus:
„Keiner unter euch, der keine Kenntnisse in der Astronomie besitzt, kann es in der Arznei zu etwas bringen“ ! (1)
Paracelsus bezieht sich also nur auf die 7 sogenannten Hauptorgane. Der Saturn wird aber traditionsgemäß nicht nur der Milz, sondern auch den Knochen zugeordnet. Und ein klassischer Vertreter der Saturnpflanzen ist der Beinwell. Nicolaus Culpeper, der übrigens Arzt und Astrologe war, schreibt über Beinwell folgendes:
„Dies ist eine Pflanze des Saturn, ich nehme an, sie steht unter dem Zeichen des Steinbocks, kalt, trocken und erdig in ihrer Qualität.“(2)

Schauen wir uns nun an, wie Saturnpflanzen definiert werden: Sie sind langlebig, oft wurzelbetont, können Extremklima überdauern, haben oft eine harte, raue Oberfläche. Saturngeprägte Pflanzen öffnen ihre Blüten nicht zum Licht, sondern neigen sie nach unten. Auch die Blüten des Beinwell sind zum Boden hin geöffnet, die Blätter und Sprosse sind rau behaart, und er hat eine kräftige und vor allem heilkräftige Wurzel mit einer schwarzen Rinde. Bricht oder schneidet man die Wurzel, so tritt Schleim aus. Schon kleine Wurzelstücke treiben wieder aus, zerbrochene Stücke wachsen wieder zusammen. Dies deutete man als eine zusammenfügende Kraft der Pflanze. Wir werden sehen, wie genau dies zutrifft! Beinwell gehört zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae), besitzt große, fleischige, lanzettliche Blätter. Die Blätter sind am Stiel herablaufend. An einem hohen Stengel erscheinen am spiralig aufgerollten Ende mehrere entweder violettblaue oder gelblichweiße Blüten. Früher nannte man die blauvioletten Pflanzen „Beinwellmännlein“, die gelblichweiß blühenden „Beinwellweiblein“. (3)

Als Inhaltsstoffe findet man im Beinwell Gerbstoffe, Schleimstoffe, Allantoin, Cholin, Kiesel, Vitamin B12 und Spuren des Alkaloids Sympho-Cynoglossin. Die Gerbstoffe wirken entgiftend, austrocknend und zusammenziehend. Schleimstoffe quellen im Wasser und haben eine umhüllende und damit schützende Wirkung. Allantoin regt die Zellbildung an, löst Wundsekrete auf, ist entzündungshemmend und fördert die Granulation. Es gibt keine Pflanze, die soviel Allantoin enthält wie der Beinwell. Cholin stärkt den Kreislauf, verbessert die Durchblutung und erweitert die Gefäße.
Mit Beinwellumschlägen, die man aus frischen, zerkleinerten (geraspelten) Wurzeln herstellt, werden Knochenbrüche behandelt, man sagt Beinwell setzt die Knochen wieder zusammen, „sortiert“ sogar zertrümmerte Knochenteile so gut wieder an ihren Platz, dass die geheilten Knochen wieder voll funktionsfähig werden. Außerdem wendet man Beinwellumschläge bei Knochenhautentzündungen an, bei Verstauchungen, Verrenkungen und Gelenkentzündungen. Aber auch bei Venenentzündungen, Krampfadern, Arthrosegelenken, variköse Unterschenkelgeschwüren, Gichtknoten, Prellungen und sogar bei Phantomschmerzen von amputierten Gliedmaßen. Nicht anwenden sollte man Beinwell bei tiefen Wunden. Da Beinwell die Zellteilung fördert, würden sie oberflächlich abheilen, während sich darunter ein Abzess bildet.
Man kann einen Tee aus Wurzelstücken oder Blättern herstellen, am besten aber aus Wurzelpulver, der bei Magengeschwüren, Darmgeschwüren oder Durchfallerkrankungen hilft. Ein Esslöffel pro Tasse, mit heißem Wasser aufbrühen. Ein Tee aus Blüten dagegen nutzt man bei Bronchitis und Katarrh. (4)
Seit einigen Jahren wird vor der inneren Anwendung des Beinwell gewarnt. Er enthält Spuren der sogenannten Pyrrolizidinalkaloide. Diese erwiesen sich in hoher Dosierung bei Tieren als lebertoxisch bzw. als Leberkrebserregend. Ich esse sehr gerne Beinwellblätter und Blüten, auch wegen des Gehalts an Vitamin B12 und vieler Mineralien. Beinwell wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze auch innerlich angewendet oder auch als Gemüse gegessen. Auch hier kann man sich wieder Paracelsus vergegenwärtigen: „Alles ist Gift; allein die Dosis macht, ob ein Ding ein Gift sei.“ Dies gilt für Beinwell ebenso wie für Alkohol, Salz oder andere Substanzen, die wir täglich zu uns nehmen.

Mit Saturn wäre nach Paracelsus und Culpeper diese Reihe zuende. Doch mit der Entdeckung neuer Planeten wurde auch nach und nach eine neue Zuordnung der Heilpflanzen vorgenommen. So geht es also das nächste Mal mit Uranus weiter.

Quellen
(1) „Paracelsusmedizin“ Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch
(2): „Culpetters complete herbal“, Exeter, Nicolas Culpeper
(3) „Medizin der Erde“ Susanne Fischer-Rizzi 1997
(4) „Mit Pflanzen verbunden“ Wolf-Dieter Storl 2005

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