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Sommersonnenwende

Sommersonnenwende

Sommersonnenwende, Artikel von Anita Conrad

Der Sonnenzyklus durch das Jahr schreitet weiter voran und mit dem Eintritt der Sonne in das Zeichen Krebs feiern wir die Sommersonnenwende am 21.6. und mit ihr den Sommeranfang.
Während die Zeit der Wintersonnenwende heute noch als Weihnachtsfest eines der wichtigsten Feste des christlichen Glaubens darstellt- und in unsrer konsumorientierten Zeit auch das wichtigste Fest des Einzelhandels – ist die Sommersonnenwende nach der Christianisierung aus unserem Bewusstsein mehr oder weniger verschwunden. Im 3. Reich erlangte sie zwischenzeitlich eher zweifelhaften Ruhm (sie wurde hier allerdings am 23.6. gefeiert), um danach wieder aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Erst in neuester Zeit gewinnt sie wieder an Bedeutung und wird von naturverbundenen und spirituell orientierten Menschen wieder gefeiert.
Die Kirche hat aber auch hier ihren eigenen Feiertag gefunden. So wird am Johannistag, dem 24.6., Johannis dem Täufer gedacht, der angeblich zu Mitsommer geköpft wurde. Von den meisten Menschen wird dieser Feiertag allerdings nicht bemerkt- es ist ein ganz normaler Arbeitstag.

Dies war in früheren Zeiten anders. 12 Tage feierte man die Zeit der längsten Tage und kürzesten Nächte, ebenso wie die Zeit der Wintersonnenwende– die Raunächte. Doch während die Raunächte eine Zeit des Rückzugs sind, der Innenschau und Besinnung, feierte man die Sommersonnenwende ursprünglich als Fruchtbarkeits-, Dankes- und Freudenfest, bei dem das Licht der Sonne, symbolisiert durch Freudenfeuer und brennende Sonnenräder, eine besondere Rolle spielte.
Licht und Dunkelheit sind die beiden Hälften des Lebensrades, die wir in vielen Mythen als zwei Brüder, Könige oder sogar Götter wiederfinden.
Bei den Germanen war es der Lichtgott Baldur, der schließlich durch seinen dunklen Bruder Hönur den Tod findet. Bei den Kelten ist es der Sonnengott Belenos, dessen Herrschaft zum Maivollmond begann und nun zur Sommersonnenwende ihren Höhepunkt erreicht, um zum Augustvollmond zu Ende zu gehen.
Die Pflanzengöttin Belisana ist nun schwanger mit den werdenden Früchten der Erde, passend zum Wechsel der Sonne in das Tierkreiszeichen Krebs, welches wie kein anderes das mütterliche nährende Prinzip symbolisiert.

Licht und Wärme der kraftvollen Sonne wurden symbolisiert durch das Feuer, dessen Kraft im Mittelpunkt der Mitsommerbräuche steht. Noch heute werden mancherorts große Sonnenwend-oder Johannisfeuer entzündet und oder brennende Räder die Berge runtergerollt.

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Das Mitsommerfeuer wurde umtanzt oder übersprungen, wobei sich Liebespaare dabei an den Händen hielten. Noch heute erinnert der Spruch: „mit dem würd ich durchs Feuer gehen“ an diesen uralten Brauch. Ein Sprung durchs Feuer sollte Leib und Seele reinigen und Gesundheit bringen. Auch eine reiche Ernte war einem gewiss. Einen Feuerscheit des Mitsommerfeuers nahm man mit nach Hause als Schutz vor allem Übel und als Segen für das häusliche Feuer.
Nur mit einem Gürtel aus Beifuß, Eisenkraut und Johanniskraut „bekleidet“ tanzte man um das Feuer, in den Haaren einen Kranz aus Blumen und Gundermann. Verbrannte man in der Nacht schließlich den Gürtel mit dem Holz, so wurden mit ihm Unglück und Unfruchtbarkeit verbrannt.
Die Mitsommerzeit war auch eine besonders wichtige Zeit, um Kräuter zu sammeln, die nun ihre größte Kraft entfalten. Immer noch gelten bestimmte Kräuter an Johanni gesammelt als besonders wirksam.
Gundelrebe
Neun Kräuter sind es- die magische Zahl in der Kräuterkunde- die zu dieser Zeit gesammelt werden.
Neben dem Hartheu- seit der Christianisierung Johanniskraut genannt- sind es meist Arnika, Ringelblume, Holunderblüten, Schafgarbe, Eisenkraut, Beifuß, Königskerze und Gundelrebe. Je nach Region können es auch noch andere Kräuter sein. Diese Kräuter hielt man kurz ins Feuer, um ihre Heilkraft zu stärken.
ArtemisiaVulgaris
Auch buk man nun Hollerküchlein– in Bierteig frittierte Holunderblüten- und verzehrte sie. Der Duft der Blüten, heißt es, habe eine hormonanregende Wirkung und wecke die Lust zur Liebe. Mit duftenden Sommersonnenwendkräutern wurden auch Liebeslager ausgepolstert.
An Mitsommer wurden auch die Felder gesegnet, um ihnen Fruchtbarkeit und somit den Menschen eine reiche Ernte zu schenken, manchmal auch Teiche, Quellen und Brunnen gereinigt und mit Blumen geschmückt.

Die Sonnenwendzeit ist, wie alle Jahreskreisfeste eine Zwischenzeit, in der sich kommendes offenbaren kann. Wer sich die 9 Kräuter unters Kopfkissen legt, kann zukünftiges träumen.

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